Wer flucht, ist intelligenter

Fluchen hat nichts mit Dummheit zu tun: Laut Forschern sind schimpfende Menschen klug, kreativ und entspannt.

Von: Tina Gallach

Früh schlafen gehen, das Zimmer aufräumen – und geflucht wird sowieso schon mal gar nicht. Mit diesen Regeln sind wir fast alle groß geworden. Und nun das: Studien zeigen, dass fluchende Menschen intelligenter sind. Außerdem können sie Schmerzen besser ertragen und sind höflicher.

Kreativer und intelligenter

Den Zusammenhang zwischen lautem Fluchen und Intelligenz haben Forscher am New Yorker Marist College herausgefunden. Laut ihren Studienergebnissen sind Menschen, die sich gelegentlich einer gesellschaftlich als eher schwierig geltenden Ausdrucksweise bedienen, keineswegs automatisch dümmer. Im Gegenteil: Wer verbal ab und zu so richtig aufdreht, soll kreativer und intelligenter sein. Um das herauszufinden ließen die Forscher Probanden innerhalb einer Minute so viele Schimpfworte benutzen wie ihnen einfielen. Danach mussten sie einen Intelligenztest absolvieren – eine Vergleichsmethode, die „Controlled Oral Word Association Test“ heißt. In diesem Intelligenztest schnitten diejenigen Probanden am besten ab, die zuvor am abwechslungsreichsten geschimpft hatten. Wer beim Fluchen kreativ war, hatte auch sonst einen größeren und differenzierteren Wortschatz.

Gut gegen Schmerzen

Zudem hat der Psychologe Dr. Richard Stephens von der Keele University im britischen Staffordshire nachweisen können, dass heftiges Schimpfen eine positive körperliche Reaktion auslöst und Menschen damit unempfindlicher gegen Schmerzen machen kann. Für die Untersuchung hat er zwei Gruppen von Probanden ihre Hände in eiskaltes Wasser tauchen lassen. Die eine Gruppe durfte während des Eisbades fluchen, die andere nicht. Die Flucher hielten deutlich länger durch als die Gruppe, die die enorme Kälte ohne Schimpftiraden aushalten musste. Um diese Tatsache genauer zu klären, schloss er zwei neue Versuch an: Zum einen ließ er die Probanden – wieder in zwei Gruppen aufgeteilt – auf einem Ergometer trainieren, ein Heimtrainerfahrrad, das während des Radelns die Körperfunktionen misst. Auch hier gab es wieder zwei Gruppen. Die eine durfte beim Sport fluchen, die andere nicht. Aber in beiden Gruppen sollten die Teilnehmer so kräftig wie möglich in die Pedale treten. Zum anderen maß er den sogenannten isometrischen Händedruck von Versuchsteilnehmern, also die Spannung, die sie beim Zudrücken aufbauten. Auch bei ihnen durfte die eine Gruppe laut und unflätig schimpfen, die andere ihrer Anstrengung höchstens durch neutrale Worte Ausdruck verleihen.

Höheres Durchhaltevermögen

Das Ergebnis – wahrscheinlich wenig überraschend: Jedes Mal hatten die Schimpfenden mehr Durchhaltevermögen, Kraft oder Spannung als die Vergleichsgruppe. In ihrer Herzfrequenz waren die Ergebnisse allerdings gleich. Darum gehen Stephens und sein Team davon aus, dass durch das Fluchen lediglich das sympathische Nervensystem aktiviert wird. Es erhöht die nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit bei Belastung – wie zum Beispiel die Fluchtbereitschaft bei Gefahr oder eben ein höheres Kraftvolumen. Diese Reaktion wird auch als Fight-or-flight-Reaktion bezeichnet: kämpfen oder flüchten.

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