Gesunde Füße – da stehen wir drauf!

Unsere Füße brauchen viel mehr Beachtung als sie bekommen. Darum können Fehlstellungen das Leben erschweren.

Von: Theresa Boenke

Sie spielen eine tragende Rolle – schließlich umlaufen wir mit ihnen in unserem Leben im Schnitt viermal den Erdball. Trotzdem schenken wir unseren Füßen wenig Beachtung. Das hat Konsequenzen! Viele Bundesbürger haben Fußprobleme. Was tun wir unseren Füßen tagtäglich an – oder vielleicht nicht an? Welche Auswirkungen können Fußfehlstellungen haben? Und: Wie können wir unseren Füßen etwas Gutes tun? Dr. med. Joachim Knöbel von der Ortho-Group in Hamburg hat Antworten.

Über- oder unterfordern wir unsere Füße?
Meiner Meinung nach kann man sowohl das eine als auch das andere tun. Es gibt einige Berufe, bei denen man einfach nur still auf der Stelle steht. Ich denke zum Beispiel an Berufe im Einzelhandel. Durch das einseitige Belastungsmuster werden die Füße überfordert. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die Unterforderung durch einseitige Belastung: Unser Fuß ist eigentlich für Bewegung gebaut. Aus der Forschung wissen wir, dass so ein Fuß eigentlich für 25 Kilometer Laufen am Tag geschaffen worden ist.

Warum schenken wir unseren Füßen überhaupt so wenig Beachtung?
Naja, wir stecken sie einfach in einen Schuh und dann befinden sie sich da unten irgendwo am anderen Ende des Körpers. Es gibt Körperteile, deren Funktion wir einfach erwarten und voraussetzen. Und dazu zählen definitiv auch die Füße. In der Regel funktionieren sie ja auch ausgesprochen gut. Warum ihnen also Beachtung schenken? Soll heißen: Patienten wachen wirklich meist erst dann auf, wenn sie Fußbeschwerden haben. Dann überlegen sie, was sie ihren Füßen eigentlich Gutes tun könnten.

Kann man eine Aussage darüber treffen, wie viele Menschen in Deutschland Fußbeschwerden haben?
Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass bestimmt 10 Prozent der Gesamtbevölkerung Fußbeschwerden hat – welcher Art auch immer. Ein relativ großer Teil davon kommt damit erst einmal zurecht: Hier und da schmerzt der Fuß, aber aus Sicht des Betroffenen muss erstmal nichts gemacht werden.

Was gibt es denn für Fehlstellungen?
Beim Spreizfuß geht der Fuß vorne im Bereich des Ballens auseinander, also in die Breite. Beim Senkfuß sinkt der Fuß in der Wölbung im Mittelfußbereich ab. Es gibt aber auch die Kombination aus beiden Diagnosen, die am Ende zum Plattfuß führen kann. Natürlich können familiär bedingte Fehlstellungen vorkommen, andere entwickeln sich allerdings erst über die Jahre etwa durch Fehlbelastungen. Neben dem Spreiz- und Senkfuß gibt es auch noch solche Krankheitsbilder wie den Ballenzeh, der sogenannte Hallux valgus, oder den Hallux rigidus, der Arthrose im Großzehengelenk.

Welche Auswirkungen kann eine Fußfehlstellung auf den Körper haben?
Bei einem Senkfuß etwa sinkt der Fuß innenseitig ein. Darüber gerät man in eine X-Bein-Stellung. Das wiederum führt zu einer Fehlstellung im Kniegelenk und auch zu einer leichten Fehlstellung im Hüftgelenk. Also kann ein Senkfuß die gesamte Beinachse beeinflussen. Und so etwas kann letztendlich in den gesamten Körper hineingehen. Eine Beckenkippung oder Rückenbeschwerden können zum Beispiel die Folge sein. Wir wissen, dass es Beschwerdekomplexe am Fuß gibt, die teilweise bis hoch zu Nackenbeschwerden führen können. Patienten, die wir mit Einlagen versorgen, berichten uns immer wieder, dass ihre Kopfschmerzen weniger geworden sind.

Sind denn Schuheinlagen immer die Lösung?
Die Einlage ist immer die erste Lösung und das erste Mittel, um die Fußstatik zu korrigieren. Der große Vorteil von Einlagen ist: Man macht am Fuß – anders als bei einer OP – erst einmal nichts kaputt. Daher ist die Einlage, wenn sie richtig angewendet wird, sicher ein gutes Mittel, um etwas zu bewirken – wenn der Patient es nicht selbst hinbekommen kann! Denn wir sollten uns auch immer mit der Frage beschäftigen: „Was kann ich selbst mit meinen Füßen erreichen. Wie kann ich meine innere Fußmuskulatur wieder aufbauen?“ Mit gezielten Dehnungs- und Kräftigungsübungen kann man sicher einen ähnlich großen Effekt erreichen wie mit einer Einlage. Das verlangt dem Patienten aber natürlich auch sehr viel Fleiß ab. Am Ende ist die dynamische Behandlung aus meiner Sicht aber die bessere Methode. Eine Einlage stützt nur passiv. Die Aktivierung der Fußmuskulatur ist da besser.

Die Natur hat Schuhe sicherlich nicht für den menschlichen Fuß vorgesehen: Welche Funktionen entziehen wir unseren Füßen mit Schuhen?
Das Wichtigste ist, dass unsere Füße durch Schuhe wesentlich weniger Reize erhalten. Wir entziehen unseren Füßen die Rückmeldung über die Beschaffenheit des Bodens. Das alles wird von der Schuhsohle übernommen. Ist der Boden sandig oder spitz? Die Fußsohle würde diesen Reiz normalerweise aufnehmen und eine entsprechende Abwehr vornehmen. Solche Reflexmuster werden durch die Schuhe mächtig ausgebremst. Auf der anderen Seite geben wir unseren Füßen mit Schuhen natürlich auch einen fantastischen Schutz. Das ist also insgesamt eine Kosten-Nutzen-Rechnung.

Was können wir unseren Füßen denn generell Gutes im Alltag tun?
Punkt 1: Es ist schlichtweg angenehm, am Abend einfach mal barfuß, also ohne Schuhe, zu laufen. Damit der Fuß sich wieder mal so bewegen kann, wie er möchte. Punkt 2: Durchblutungsfördernde Maßnahmen, ob mit einem Fußbad oder eventuell auch mal mit einer Fußmassage, sind eine Wohltat für den Fuß. Und auch das 5- bis 10-minütige Ausrollen des Fußes auf einem Tennis- oder Igelball vor dem Fernseher entspannt. Und das schafft auch wieder mehr Regenerationsmöglichkeiten für den Fuß.

Zu guter Letzt: Was wünschen Sie sich als Orthopäde von den Menschen und ihren Füßen?
Ich wünsche mir, dass sie ihre Füße mit Respekt behandeln. Dass sie ihre Füße bewegen und belasten – das braucht der Fuß – und gleichzeitig auch entspannen. Ich wünsche mir, dass viele nicht ausschließlich auf Schuheinlagen setzen, sondern ihre Füße selbstständig kräftigen und mobilisieren. Damit vielleicht irgendwann eine Einlage gar nicht mehr notwendig ist. Und als behandelnder Arzt würde ich mir auch wünschen, dass die Füße mehr gepflegt werden würden. Einfach mehr Beachtung und ein guter Umgang, das wäre schön!


VIACTIV Tipp:

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