Schwitzen – muss das eigentlich sein?

Warum Schwitzen lebenswichtig ist, wie man es verhindern kann und warum Schweiß wichtig für die Liebe ist.

Von: Monika Dütmeyer

Es riecht, es erzeugt unschöne Flecken auf der Kleidung und manchmal auch rote Köpfe – viele Menschen finden Schwitzen einfach nur lästig – wofür ist es eigentlich gut?
René Föste: Schwitzen dient der Thermoregulation des Körpers. Er gibt dabei überschüssige Wärme ab. Entstehen kann diese zum Beispiel durch warme Außentemperaturen, körperliche Aktivität, Nervosität oder durch den Verzehr scharfer Speisen. Das Ziel ist, die Körpertemperatur stabil zu halten und eine Überhitzung zu vermeiden. Besonders gut gekühlt wird zum Beispiel das zentrale Nervensystem im Kopf. Deshalb steht vielen Menschen auch buchstäblich der Schweiß auf der Stirn.

Warum schwitzen wir an Stellen wie der Stirn oder den Achseln besonders stark?
Schweißdrüsen befinden sich am ganzen Körper und wir schwitzen überall. Aber an einigen Stellen gibt es mehr Schweißdrüsen als an anderen. Außerdem existieren zwei Arten von Schweißdrüsen. Sie werden unterschieden in ekkrine und apokrine Drüsen – und sind dafür verantwortlich, dass wir Schwitzen beim Sport beispielsweise ganz anders wahrnehmen als in emotionalen Stresssituationen.

Warum ist schwitzen nicht gleich schwitzen?
Die Drüsen sondern unterschiedliche Sekrete ab. Beim Sport sind beispielsweise die ekkrinen Drüsen aktiver, deren Sekret zu großen Teilen aus Wasser und Elektrolyten besteht. Der Schweiß dient dem Schutz vor Überhitzung und riecht nicht, wenn man regelmäßig Körperhygiene betreibt. Das ist bei den apokrinen Schweißdrüsen ganz anders: Sie sind nicht nur für die Kühlung, sondern für die persönliche Duftnote verantwortlich. Sie sondern ihr Sekret bei emotionalen Reizen wie Angst- oder Stresssituationen ab und kommen vermehrt in der Achsel -und Leistengegend vor.

Was genau bringt die Menschen dann zum müffeln?
Dafür ist das Sekret aus den apokrinen Drüsen ursächlich. Es enthält zum Beispiel Fette, Talgstoffe, Hormone und Milchsäure. Die Bakterien, die jeder auf der Haut hat, zersetzen diese Stoffe und in diesem Prozess entsteht der Körpergeruch. Kinder müffeln übrigens nicht nach Schweiß, weil die apokrinen Drüsen erst in der Pubertät ihre Arbeit aufnehmen.

Das klingt stark nach Schweiß als nützlicher Helfer bei der Partnerwahl …
In dem Sekret sind Pheromone enthalten, die tatsächlich das andere Geschlecht anziehen sollen, aber auch eine Rolle in der Bindung von Mutter und Kind spielen. Zudem werden genetische Faktoren über den Schweiß erst wahrnehmbar – zum Beispiel Informationen über das Immunsystem. Man hört oft, dass sich möglichst unterschiedliche Systeme anziehen sollen. Aber, dass Liebe allein eine rein immunologische Sache ist, halte ich doch für übertrieben. (lacht)

Auch wenn Schwitzen überlebenswichtig ist, leiden manche Menschen doch sehr darunter.
Das stimmt. Es kann zu Stress, Vereinsamung und psychischen Problemen wie Depressionen führen. Bei starkem Schwitzen spricht man von einer „Hyperhidrose“. Davon gibt es zwei Formen: Die primäre Hyperhidrose, bei der keine körperliche Erkrankung zugrunde liegt und die Ursache oft unauffindbar bleibt. Und die sekundäre Hyperhidrose, die als Folge von Erkrankungen wie Infektionen, Diabetes, hormonellen Ungleichgewichten oder Tumoren auftreten kann.

Was kann man tun, wenn man das Gefühl hat, stärker zu schwitzen als andere?
Man sollte zunächst vom Hausarzt abklären lassen, ob eine körperliche Ursache zugrunde liegt. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man erstmal klassisch Deos oder Antiperspiranzien ausprobieren. Weitere Möglichkeiten sind Verfahren wie die „Thermolyse“ und die „Wasseriontophorese“. Außerdem kann man Entspannungstechniken erlernen, um seelischen Stress zu vermeiden. Auch der weitgehende Verzicht auf Alkohol, Rauchen, Kaffee oder schwarzen Tee ist hilfreich. Scharfes Essen sollte man ebenfalls meiden, da es dem Körper hohe Temperaturen „vorgaukelt“ und es starkes Schwitzen auslösen kann.

Kann es auch einfach schon die Lösung sein, sich öfter zu waschen?
Wenn man stark schwitzt, sollte man besonders auf Körperhygiene achten und an Stellen wie den Achseln oder in der Leistengegend die Haare entfernen. Das hat den Hintergrund, dass die apokrinen Schweißdrüsen in einem Haarfollikel enden und man damit die Oberfläche verkleinert, um den Duft zu verbreiten. Als wirksamstes konservatives Mittel gegen das Schwitzen gilt außerdem der Einsatz von Botulinumtoxin, bekannt unter dem Namen Botox.

Bei Botox denkt man eher an Faltenreduktion. Wie funktioniert das gegens Schwitzen?
Es wird in mehreren oberflächlichen kleinen Piksern als Botox-Kochsalzlösung an Stellen, an denen jemand stark schwitzt, unter die Haut gebracht. Die Nervenleitungen, die zur Schweißdrüse führen, werden dabei gehemmt. Das heißt, die Drüsen können sich nicht mehr zusammenziehen und das Sekret auswerfen, wie sie es normalerweise tun würden, wenn sich jemand beispielsweise aufregt oder Angst hat. Diese Methode ist gut untersucht und die Nebenwirkungen sind gering. Die Wirkung hält meist sechs bis neun Monate an. Danach muss die Behandlung wiederholt werden.

Gibt es auch etwas, das dauerhaft wirkt?
Als permanente Möglichkeit gilt die operative Therapie, bei der die Schweißdrüsen unter lokaler Betäubung abgesaugt und die betreffenden Bereiche ausgeschabt werden. Die Methode weist langfristig gute Erfolgsraten auf. Trotzdem sollte man nicht mit der Erwartung daran gehen, dass man dann gar nicht mehr schwitzt. Der Körper erhält immer einige Drüsen und baut manche wieder auf. Durch so einen Eingriff kann das Schwitzen aber um 70 bis 80 Prozent vermindert werden.

Was hat Sie zuletzt so richtig ins Schwitzen gebracht?
Als Vater zweier Kinder muss man so einige schweißtreibende Situationen überstehen. (lacht)

Dr. med René Föste ist Facharzt für Chirurgie und Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. In Paderborn betreibt er eine Praxisklinik.


VIACTIV Tipp Infos zum Thema Schwitzen und Trinken gibt es auf unserer Homepage.

Kommentieren