Wer schnarcht denn da?

Schnarchen stört – vor allem den Bettnachbarn. Doch die gesundheitlichen Folgen können weitaus dramatischer sein

Von: Magnus Horn

„Schatz, du schnarchst.“ Diesen Satz kennen viele, die sich mit jemandem das Bett teilen. Nicht selten kommt es vor, dass ein Partner dann das Sofa aufsucht, um eine ruhigere Nacht zu haben. Dabei stehen häufig die Männer im Verdacht, für die unangenehme Geräuschkulisse verantwortlich zu sein. Doch die Frauen holen in der Statistik auf. „Die Verteilung ist fast gleich stark“, sagt Schlafmediziner Dr. Christoph Schenk aus Osnabrück.

So entsteht Schnarchen

Wenn wir in der Nacht schlafen, dann entspannt sich die Muskulatur – auch im Mund-Hals-Bereich; die hintere Zungenmuskulatur und auch die Muskulatur, die im Rachen sitzt. Dadurch fällt der Unterkiefer ein wenig nach unten und vorne. Das Gaumensegel (Velum), das zwischen Nasenraum und Lunge im Luftgang sitzt, kann durch die Erschlaffung noch weiter in den Raum hineinreichen. „Dies flattert dann quasi im Atem hin und her und das verursacht das Schnarchen“, erklärt Schenk. Infolge der mit zunehmendem Alter schlapper werdenden Muskulatur verstärkt sich auch das Schnarchen. „Ab 50, 60 Jahren werden die Leute rein prozentual 10 bis 20 Prozent mehr schnarchen“, sagt Schenk.

Schnarch-Begünstiger

Faktoren, die das Schnarchen begünstigen können, sind laut Schenk auch Übergewicht und Alkohol. Durch das Übergewicht nimmt das Fettgewebe im Halsbereich zu, durch den Alkohol entspannt sich die Muskulatur weiter. Er verhilft möglicherweise zum schnelleren Ein- aber keinesfalls zum tieferen Durchschlafen. Auch Zuckerkranke seien „schlimm dran“, sagt Schenk: „Durch die Änderung des Zuckerspiegels in der Nacht gibt es auch eine Änderung der Schnarchsymptomatik.“

Bei Pausen wirds gefährlich

„Das Schnarchen selbst ist nicht besonders schlimm, das stört nur den Nachbarn“, sagt Schenk. Wie laut es sein kann, beschreibt er so: „Ein guter Schnarcher kommt locker auf 80 bis 90 Dezibel. Das ist wie ein startendes einmotoriges Flugzeug.“ Doch mit dem Schnarchen einhergehen können Atempausen – die sogenannte Schlaf-Apnoe. „Das ist dann wirklich gefährlich.“ Hierbei wird der Luftstrom bei der Einatmung so gemindert, dass eine Atempause entstehen kann, von teilweise bis zu einer Minute. Das Gehirn erkennt das und sorgt mit der Arousalreaktion (Arousal = Wachheit) dafür, dass die Pause überwunden wird, man wieder Luft holt und nicht erstickt. Daher, betont Schenk, müsse bei einer Schnarchsympotmatik immer auch geprüft werden, ob Pausen dabei sind. Diese Frage sollten die Bettnachbarn beantworten. „Häufig wird so ein Schlaf-Apnoe-Syndrom übersehen“, sagt der Schlafmediziner.

Dramatische Folgen

Die Sauerstoffzufuhr für Gehirn, Herz und andere Organe wird durch die Atempausen eingeschränkt. In 70 Prozent der Fälle können gefährliche Situationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall entstehen. Für Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens etwa, bei denen das Blut ohnehin nicht gut im Körper zirkuliert, wird durch die Atempausen das Gesundheitsrisiko deutlich erhöht.

Müde, groggy, vergesslich

Ein erholsamer Schlaf ist bei Apnoe-Patienten also unwahrscheinlich. „Die Filterfunktion des Gehirns wird dann nicht ausgenutzt“, sagt Schenk. Das Gehirn brauche die Fähigkeit, Dinge des Alltags oder vorheriger Tage abzufiltern. „Der Hypothalamus, sozusagen die Schaltzentrale des Gehirns, will auch mal bereinigt werden.“ Durch die Atempausen ist dieser Prozess gestört. Dem Gehirn fehlt die Zeit dafür. Es bleibt wacher, auch wenn man es selbst nicht merkt. So ist die Nacht eher oberflächlich und nicht so tief. Das merken Personen schon morgens beim Aufstehen. Der Blutdruck ist erhöht, sie fühlen sich müde und sind groggy. Auch Konzentrationsstörungen können im Laufe des Tages vermehrt auftreten. Ist das über eine lange Zeit der Fall, sollte der Schlaf kontrolliert werden.

Atemgerät nicht sexy aber hilfreich

Im Schlaflabor Osnabrück untersucht Schenk im Jahr rund 3.000 Personen. Etwa die Hälfte davon schnarchen. Wiederum rund die Hälfte davon haben lange Atempausen. Für die Untersuchung kommen die Leute am Abend in das Labor, werden verkabelt und bereits am Morgen können die Daten ausgewertet werden. Je nachdem, wie viele Pausen jemand in der Nacht hat, unterscheidet man zwischen leichtem, mittel-schwerem und schwerem Schlafapnoe-Syndrom. Der Apnoe-Hyponoe-Index gibt an, wie viele Pausen man pro Stunde hat. „Einige haben locker 50, 60“, sagt Schenk. Die derzeit erfolgversprechendste Behandlungsmöglichkeit ist ein CPAP-Gerät. Dabei handelt es sich um eine Maske, die auf Nase und Mund gesetzt wird. Über einen Atemschlauch ist ein Gerät angeschlossen, das elektronisch registriert, sobald der Atemfluss stockt und Luft in die entsprechenden Kanäle pustet. Ein im wörtlichen Sinne Lebensretter. Als „nicht sexy“ bezeichnet Schenk die Maske, stellt aber im Gegenzug die Frage, ob man lieber am Rollator wieder reinkommen oder als Herzpatient behandelt werden möchte. „Das ist beides nicht besonders erstrebenswert!“


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