Alles roh, oder was?

Rohkost: Bei diesem Wort schrecken Fleischfans hoch. Zu Unrecht! Denn eigentlich ist alles halb so wild.

Von: Max Mühlenweg

Seit zehntausenden Jahren wissen wir Menschen, wie man Feuer macht. Wir braten, köcheln und dünsten unser Essen, um Keime abzutöten und es leichter verdauen zu können. Warum geben viele Menschen diese gut erprobte Methode auf und essen roh?

Welche Formen gibt es?

Rohkost ist lediglich der Überbegriff für verschiedene Formen des Verzehrs von nicht erhitzten, naturbelassenen Lebensmitteln. So gibt es neben rein veganer Rohkost-Ernährung auch eine weniger strikte, vegetarische Variante. Bei dieser dürfen auch tierische Erzeugnisse gegessen werden. Beispielsweise Milch oder Honig. Rohkost bedeutet aber auch, dass rohes Fleisch, Nüsse und Samen auf dem Speiseplan stehen können. Zusätzlich zu diesen klassischen Varianten, die lediglich zwischen tierischer und nicht tierischer Rohkost unterscheiden, gibt es auch umfängliche Ernährungsphilosophien, die auf rohen Mahlzeiten basieren. Das heißt, es werden genaue Vorgaben gemacht, welches Gemüse oder Obst im Detail gegessen werden darf. Zum Beispiel ausschließlich Kartoffeln und Orangen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn oftmals bekommt man neben Ernährungsratschlägen direkt ein komplettes Weltbild mit dazu geliefert.

Das sind die Vorteile

Im Grundsatz gilt jedoch: Rohkost ist gesund und darf ruhig häufig verzehrt werden, denn ohne Erhitzen gehen keine Nährstoffe verloren. Das empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Wer mit Übergewicht zu kämpfen hat, profitiert ebenfalls von rohen Lebensmitteln, denn so wird zum Beispiel die Aufnahme ungesunder Stoffe vermieden, die beim Anbraten mit Fett entstehen. Rohkost ist ebenfalls für Kochmuffel eine sehr gute Möglichkeit, schnell und trotzdem gesund essen zu können. Waschen, schneiden, essen. Das bekommt jeder hin. Zudem wird ihr eine körperreinigende Wirkung nachgesagt. Diese ist allerdings umstritten, da entsprechende Begründungen häufig in esoterische Konzepte abdriften.

Welche Probleme möglich sind

Für die veganen und vegetarischen Rohkostvarianten gilt im Allgemeinen das, was auch Veganer und Vegetarier grundsätzlich beachten sollten: Ausgewogene, an den eigenen Körper angepasste Ernährung. Das bedeutet auch, dass der Gang zum Arzt in vielen Fällen eine gute Idee ist. Denn Fachmediziner machen Tests, um die individuellen Nährstoffbedürfnisse exakt festzulegen. Anschließend kann ein Konzept erarbeitet werden, das auf den Einzelnen zugeschnitten ist. Bei monotonem Verzehr von ausschließlich bestimmen Obst- und Gemüsesorten besteht die Gefahr einer Mangelversorgung mit Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Bei dauerhaft einseitigem Verzehr kann dies auch zu Knochenschwund führen. Bei der Rohfleischvariante sollte man zudem besonders darauf achten, ausschließlich gut gekühlte und frische Produkte zu verwenden, da sich in rohem Fleisch viele Erreger befinden, die ohne Hitze nicht abgetötet werden. Dies gilt eingeschränkt allerdings auch für Obst und Gemüse. Besonders Schwangere sollten darauf achten, nicht zu viel Rohkost zu essen, da die Erreger schnell zur Gefahr für Mutter und Kind werden können. Weil es vielen Menschen schwerfällt, sich nach einer Umstellung auf Rohkost täglich davon zu ernähren, verlieren einige die Lust am Essen. Wer nicht aufpasst, nimmt zu schnell ab und setzt sich zusätzlich der Gefahr einer Mangelernährung aus. Keine gute Kombination.

Warum es auf die Mischung ankommt

Letztendlich ist es so wie bei vielen Dingen: Es ist die Dosis, die es ausmacht. Wer sich beispielsweise zum Abendessen einen Rohkostsalat als Beilage zubereitet, bekommt viele Nährstoffe, ohne die Gefahr, durch monotones Essen eine Mangelversorgung zu riskieren. Eine sehr gute Möglichkeit, sich langsam an eine gesündere Ernährung heranzutasten. Denn sich zwanghaft von Rohkost ernähren zu wollen, führt ebenfalls nicht zum Erfolg. Schnell gibt es schlechte Laune und Frustmomente lassen uns sofort wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehren.


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