Krankschreibung per Whatsapp - legal?

Wer erkältet ist, kann sich jetzt per Smartphone krankschreiben lassen. Doch das kommt nicht überall gut an.

Von: Hanna Paßlick

Die Nase läuft, der Kopf sitzt zu, und Fieber und Schüttelfrost haben den Körper fest im Griff. An Arbeit ist in diesem Zustand nicht zu denken. Doch den Gang zum Arzt scheuen viele, weil die Wartezimmer in der Regel überfüllt sind. Eine Gesetzesänderung in Schleswig-Holstein und das Angebot eines Hamburger Rechtsanwalts machen es nun möglich, den Arztbesuch zu umgehen. Die Krankschreibung kann einfach per Whatsapp beantragt werden. Doch diese neue Form der Arzt-Patient-Kommunikation kommt nicht überall gut an.

So funktioniert's

Au-schein.de heißt die Internetseite, auf der sich Erkrankte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beschaffen können. Hinter der Website steht ein Start-Up des Hamburger Rechtsanwalts Dr. Can Ansay, der die Gesetzesänderung für einen neuen Service nutzt. Wer auf au-schein.de seine Symptome angibt, Name, Adresse, Wohnort und Telefonnummer nennt, und seine Versicherungsdaten durchgibt, wird über Whatsapp an einen Arzt weitergeleitet, der in Schleswig-Holstein praktiziert. Der Vermittlungsservice kostet den Nutzer übrigens neun Euro. Einfach per klarna oder paypal bezahlen – schon steht der Kontakt. Der Arzt verschickt die Krankschreibung dann direkt über den Chat.

Bisherige Regelung

Nun ist die Telemedizin, also die Ferndiagnose und -therapie als solche, nicht ganz neu. Sie hat sich vor allem in ländlichen Räumen etabliert, wo Ärztemangel herrscht und Besuche beim Arzt aufgrund der Entfernungen mit großem Aufwand verbunden sind. Doch diese Form der Diagnose hatte bislang ihre Grenzen. Das sogenannte Fernbehandlungsverbot besagte, dass vor einer Behandlung oder Krankschreibung ein erster persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient bestanden haben muss. Dass dieser Kontakt ausschließlich über einen Online-Chat oder andere Medien stattfindet, reichte dafür nicht aus. Wer die Vorzüge der Telemedizin nutzen wollte, musste vorher einen Arzt aufsuchen.

Neue Regelungen des Gesetzgebers

Im Mai 2018 hat die Bundesärztekammer schließlich das Fernbehandlungsverbot gelockert. Damit wäre eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist. Doch die Landesärztekammern dürfen selbst entscheiden, ob sie diese Lockerung übernehmen. Während einige Bundesländer sich bereits dagegen entschieden haben, ist Schleswig-Holstein sogar noch einen Schritt weitergegangen. Hier wird der Einzelfall aus der Regelung herausgestrichen, eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist demnach erlaubt.

Krankschreibung nur bei Erkältung

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Whatsapp-Nachricht erhält auf au-schein.de bislang allerdings nur, wer ausschließlich erkältet ist. Kommen weitere Symptome hinzu, die den Tele-Arzt zu einer anderen Diagnose veranlassen, wird ein Besuch beim Hausarzt empfohlen. Außerdem ist die Krankschreibung über au-schein.de begrenzt auf maximal drei Tage und das maximal zweimal im Jahr. Das soll verhindern, dass der Online-Service ausgenutzt wird.

Vorteile und Befürchtungen

Patientenschützer und Ärzteverbände befürchten, dass die neue Form der Arzt-Patient-Kommunikation auch Probleme bereiten könnte. Sie fordern deshalb, die Neuregelung noch eingehender zu prüfen. Viele gesetzliche Krankenkassen sind dagegen positiv gestimmt und erhoffen sich durch die Lockerung des Fernbehandlungsverbots und die damit verbundenen Möglichkeiten künftig eine intensivere Betreuung von Patienten. Markus Müller etwa ist Leiter des Abrechnungs- und Vertragsmanagements bei der VIACTIV Krankenkasse und zugleich Arzt. Er hat eine klare Position zu Krankschreibungen per Ferndiagnose: „Die Lockerung des Verbots bietet viele Chancen und war mehr als überfällig.“

Legalität und Datenschutz

Ob sich die Krankschreibung per Whatsapp am Ende wirklich durchsetzt, ist bislang schwer zu sagen. Ursprünglich war die Lockerung der Gesetzgebung vor allem dafür vorgesehen, dass weniger schwerwiegende Erkrankungen von Patienten telefonisch vorsortiert werden. Unklar scheint darüber hinaus zu sein, ob der Datenschutz bei dieser Form der Krankschreibung gewährleistet ist. Zum einen werden die übermittelten Patientendaten zuerst über einen amerikanischen Server geschickt, bevor sie den Arzt erreichen. Zum anderen zweifelt etwa die niedersächsische Datenschutzbehörde die Legalität der Nutzung des Messengerdienstes im Kontext von Patientendaten an, weil diese Kombination bislang nicht mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbar zu sein scheint.


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