Festgesaugt – alles über Knutschflecken

Blaue Flecken am Hals verraten, dass es intim geworden ist. Aber warum machen wir eigentlich Knutschflecken? Aus Liebe?

Von: Hanna Paßlick

So ein Knutschfleck ist schnell gemacht: Einmal richtig angesaugt, läuft die betroffene Stelle innerhalb von Minuten blau an. Wer besonders liebestoll unterwegs ist, kann dadurch sichtbare Spuren beim Partner hinterlassen. Wirklich beliebt ist dieser Liebesbeweis allerdings nicht. Die wenigsten Träger präsentieren ihn wie eine Trophäe, stattdessen wird die verräterische Stelle unter einem Schal oder mithilfe eines Rollkragens versteckt. Aber woher kommt eigentlich die Idee, den Hals oder eine andere Stelle am Körper des Lieblingsmenschen mit schmerzhaften blauen Flecken zu versehen?

Entstehungsgeschichte

Dass wir anderen Menschen Knutschflecke verpassen, ist keineswegs neu. Schon in der Antike soll es den Liebesbeweis gegeben haben. Allerdings hieß er damals noch anders, und war weniger sanft: Die Ausführung des sogenannten Liebesbisses wurde um 200 vor Christus im Kamasutra, einem indischen Lehrwerk der Erotik, behandelt. Darin werden sogar verschiedene Beiß- und Saugvarianten erläutert. Forscher vermuten, dass dieser Liebesbiss für die Verbindung von Liebe und Schmerz stand und durch einen der ältesten menschlichen Instinkte begründet war: die Demonstration von Macht. Im 19. Jahrhundert schaffte es der Liebesbiss schließlich auch in wissenschaftliche Fachbücher, wo er eingehend untersucht wurde. Hier kamen Forscher zu dem Schluss, dass der Ursprung der schmerzhaften Liebesbekundung womöglich noch viel weiter zurückliegt. Sie stellten die These auf, dass der Liebesbiss ursprünglich aus dem Tierreich stammt. Dort ist bis zu beobachten, dass einige Säugetiere, zum Beispiel Pferde, Robben oder Löwen, sich während des Liebesaktes festbeißen. Die sanfte Variante dessen hätte sich beim Menschen demnach bis heute gehalten.

So funktioniert‘s

Wer dazu ansetzt, einen Knutschfleck zu produzieren, legt zunächst seine Lippen auf die Haut. Mit den Lippen wird die darunter liegende Haut dann so stark angesaugt, dass Unterdruck entsteht. Dadurch platzen mehrere Blutgefäße unterhalb der Haut, Blut tritt aus, sammelt sich, und ein blauer Fleck entsteht. Ob dabei auch die Zähne zum Einsatz kommen, ist jedem selbst überlassen – denn auch ein Biss kann die Blutgefäße schädigen.

Gegenmaßnahmen und Gerüchte

Wer den Knutschfleck wieder loswerden will, kann außer Abwarten nicht viel tun. Etwa eine Woche dauert es, bis er blasser wird und verschwindet. Wird der Fleck zeitnah gekühlt, kann die Heilung unter Umständen etwas beschleunigt werden. Gefährlich ist die sichtbare Liebesbekundung übrigens in der Regel nicht. Es geistern zwar immer wieder Schreckensgeschichten durch das Netz, in denen die Rede von Todesfällen durch Knutschflecken ist. Dass aber tatsächlich eine Arterie durch das Ansaugen verletzt wird, wodurch eine Thrombose entsteht, die einen Schlaganfall auslöst, gilt unter Wissenschaftlern als extrem unwahrscheinlich.

Richtige Küsse sind sogar gesundheitsfördernd

Wer auf die blauen Liebesflecken verzichten möchte, kann sich übrigens ruhigen Gewissens auf klassische Küsse beschränken – die tun nicht weh, hinterlassen keine sichtbaren Spuren und haben gleich mehrere gesundheitliche Vorzüge:

  1. Wenn unsere Lippen die eines anderen Menschen berühren, werden Milliarden Nervenzellen angeregt. Diese Nerven geben Botenstoffe ans Gehirn weiter, das sofort reagiert: Wir schütten Glückshormone wie Serotonin, Adrenalin und Endorphin aus, der ganze Körper steht plötzlich unter positivem Stress und wir schweben gefühlt wie auf Wolken.

  2. Durch den Austausch von Speichel werden Tausende Bakterien und körpereigene Botenstoffe ausgetauscht, die wiederum unser Immunsystem stärken können.
  3. Durch die Ausschüttung der Hormone steigt unser Energiebedarf, wir verbrennen mehr als vorher. Außerdem reicht ein einziger Kuss aus, um etwa 12 Kalorien zu verbrennen. Küssen kann also schlanker machen.


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