Hausmittel auf dem Prüfstand

Erkältung, Grippe oder Halsschmerzen: Welche Hausmittel helfen wirklich gesund zu werden?

Von: Zoi Theofilopoulos

Wechselwetter. Das Rein und Raus vom Warmen ins Kalte. Die ersten Anzeichen von Halsschmerzen. Aber was hilft jetzt? Ganz klar ein Fall für Omas altbewährte Hausmittel. Doch taugen die eigentlich was? Der Bochumer Allgemeinmediziner Dr. Peter Binkle hat Antworten.

Hilft: Heiße Zitrone mit Ingwer bei Erkältung
Die Wärme fördert die Durchblutung in Hals und Rachen. Das heißt, dass mehr Blut durch die Gefäße strömt. Das Blut transportiert dann die wertvollen Stoffe der Zitrone und des Ingwers in die betroffenen Bereiche. Die Zitrone wirkt zum Beispiel antiseptisch, bekämpft also Keime. Der Ingwer besitzt antibakterielle Wirkstoffe.

Tut gut: Warmes Fußbad bei einer Erkältung
Ein Fußbad hilft nicht unmittelbar gegen die Erkältung. Es wirkt aber ähnlich wie eine Sauna: Das warme Wasser verbessert die Durchblutung. Aber im Endeffekt steigert es vor allem unser Wohlbefinden. Denn bei einer Erkältung ist uns kalt und wir frieren. Da tut ein warmes Fußbad einfach gut.

Hilft: Hühnerbrühe bei Grippe
Dieses Hausmittel funktioniert tatsächlich. Der warme Dampf der Suppe steigt in die Nase und in den Rachen. So kommt es zu einer Gefäßerweiterung. Die Öle, also das Fett der Brühe das wir mit einatmen, fördern den Heilungsprozess, da sie Immunabwehrstoffe enthalten. Außerdem ist in einer Brühe viel Salz, das den Elektrolytverlust ausgleicht, der durch das fiebrige Schwitzen entstanden ist.

Tut gut: Salbei bei Halsschmerzen
Das Hausmittel ist eher unterstützend als heilend. Ein warmer Tee tut immer gut, wenn man sich krank fühlt. Ähnlich wie Ingwer wirkt Salbei auch anti-entzündlich. Wirklich helfen kann er aber nicht. Als Tee wird Salbei eher bei übermäßigem Schwitzen eingesetzt. Denn Salbei hemmt die Schweißdrüsenproduktion.

Hilft: Gurgeln bei Halsschmerzen
Bei Halsschmerzen sind die Schleimhäute angeschwollen. Das führt zu dem typischen Schmerz beim Schlucken. Salz lässt die Schleimhäute abschwellen und löst den Schleim. Einfach einen Teelöffel Haushaltssalz in ein Glas lauwarmes Wasser rühren und etwa fünfmal pro Tag damit gurgeln. Chemische Medikamente zum Gurgeln sind nicht nötig.

Tut gut: Eis bei Mandelentzündung
Kälte wirkt schmerzlindernd, was bei einer Mandelentzündung gut tun kann. Der Entzündung entgegenwirken kann das Eis aber nicht. Deshalb kommen kalte Getränke oder eben Eis vielmehr bei einer Mandelentfernung zum Einsatz. Nach dieser Operation kommt es oft zu Nachblutungen. Frost hemmt die Blutung, da sich die Gefäße bei Kälte zusammenziehen.

Hilft: Zwiebel-Honig-Saft bei Husten Zwiebeln enthalten genau wie Honig viele Bestandteile, die anti-entzündliche und anti-bakterielle Eigenschaften haben. Beides beruhigt die Bronchien und lindert den Hustenreiz. Auch bei einer Mittelohrentzündung oder Ohrenschmerzen empfiehlt Peter Binkle, rohe, kleingeschnittene Zwiebeln auf das Ohr zu legen.

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Hilft: Kamille bei Übelkeit
Kamille wirkt anti-emetisch, also beruhigend und gegen Übelkeit. Das wirkt sich positiv auf die Drüsen im Magen aus, die zum Beispiel die Magensäure produzieren. Zu viel Magensäure führt zu Magen-Darm-Beschwerden. Außerdem hat Kamille desinfizierende Eigenschaften.

Hilft: Wadenwickel bei Fieber
Ein gutes altes Hausmittel, das wie ein Wärmetauscher wirkt. Dabei werden die Waden oder die Leiste mit einem kalten Wickel umwickelt. Über die Hautoberfläche wird dann die Wärme mit der Kälte ausgetauscht und das Fieber sinkt. Das ist wie bei einem Kühlschrank. Innen wird für eine kalte Temperatur gesorgt und die Wärme wird nach außen abgegeben.

Tut gut: Cola und Salzstangen bei Durchfall
Die Cola enthält viel Zucker, der Energie liefert, die uns bei Durchfall verloren geht. Zudem kommt es bei Durchfall zu einem Mineralstoffverlust. Dem Körper fehlen Kalium und Natrium. Salzstangen sind wie trockenes Gebäck, das bekommt man gerade noch runter, und ihre Salzkristalle liefern dem Körper die fehlenden Mineralstoffe. Doch zur Heilung trägt beides nicht bei.

Tut gut: Geriebener Apfel bei Durchfall
Peter Binkle rät seinen Patienten immer, dass sie sich bei einer Magen-Darm-Grippe Bananen zerdrücken oder Äpfel reiben sollen. Der Brei geht gut runter und sorgt für ein Sättigungsgefühl. Heilen kann das Obst aber nicht.

Hilft: Fenchel-Kümmel-Anis bei Magen-Darm-Beschwerden
Diese Kombination wirkt nachweislich gegen Übelkeit. Sie beinhaltet Stoffe, die die glatte Muskulatur beruhigen. Die glatte Muskulatur kommt überwiegend in den Wänden der Hohlorgane wie Darm, Atemwege, Blutgefäße oder Harnwege vor. Durch die beruhigenden Stoffe der Kräuter werden zum Beispiel Krämpfe gelöst.

Tut gut: Inhalieren bei einer Erkältung
Einfach ein paar Tropfen ätherischer Öle in heißes Wasser geben und klassisch mit einem Handtuch über dem Kopf inhalieren – ist immer gut. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei der Hühnersuppe: Der Dampf und die Öle, die wir einatmen führen dazu, dass sich die Gefäße erweitern. Hinzu kommt, dass ätherische Öle die Nase befreien, den Hustenschleim lösen und das Atmen erleichtern.

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