Fettarm grillen

Fettiges Fleisch und verkohlte Wurst? Grillen kann auch gesund sein. BBQ-Weltmeister Alfons Wienen verrät wie.

Von: Lennart Krause

Wir Deutschen lieben das Grillen. Laut einer Statista-Studie erklärten 95,8 Prozent der repräsentativ Befragten, dass sie gerne grillen. Problem: Grillen ist nicht gerade gesund! „Wer sagt das?“, fragt Alfons Wienen aus Duisburg. Der 49-Jährige ist amtierender BBQ-Weltmeister. 2017 sicherte er sich mit seinem Team den Titel bei der WM in Irland. „Der Glaube, dass Grillen immer ungesund ist, ist völlig falsch. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, wie sich gesund und kreativ grillen lässt.“ Seinen Worten will der smarte Ruhrpottler Taten folgen lassen, weshalb er in seinen Garten einlädt.

Grillen mit Heimatgefühl

Und allein der hat es schon in sich. Das kleine Refugium ist so gar nicht das, was man hinter dem leicht in die Jahre gekommenen Haus im Herzen Duisburgs erwartet. Hier trifft Heimatliches (eine Holzbank mit eingraviertem Logo des MSV Duisburg) auf Industrie-Charme. Gleich zwei riesige Grills hat Wienen in die Küchenzeile integriert, die überdacht in L-Form seinen Garten zur Outdoor-Kitchen verwandelt. Coole, teils selbstgestaltete Leuchtschilder hängen an der Wand, in der Ecke steht ein Kühlschrank mit Glastür, in dem Dutzende Getränke Lust auf mehr machen. Mittendrin steht Alfons Wienen, richtet sich noch einmal die markante Haartolle, dann geht es los.

Wie man krebserregende Stoffe vermeidet

„Lektion eins, das Befeuern“, sagt Wienen in nettem Befehlston. Schon hier können Griller einiges in Sachen Gesundheit tun. Zumindest können sie Ungesundes vermeiden. „Viele Menschen legen ihr Grillgut zu früh auf, also wenn die Kohle noch nicht richtig durchgezogen ist. Das ist nicht gut, weil dann noch krebserregende Stoffe abgegeben werden“, erklärt Wienen. Wie aber erkenne ich, wann die Kohle fertig und unbedenklich ist? „Einfach auf den Rauch achten. Wenn der durchsichtig wird, kann es losgehen.“ Damit das besonders schnell geht, empfiehlt der Weltmeister einen Grill mit einer guten Belüftung. Der müsse gar nicht teuer sein, schon Mittelklasse-Kugelgrills seien ausreichend. „Außerdem sollte man zum Anzünden einen kleinen Anzündkamin – eine Art Feuerkorb – benutzen, den gibt es in jedem Baumarkt. Darin ist die Kohle superschnell durchgezogen.“

Alles auf den Grill legen und Deckel drauf

Nun aber genug davon. Kohle ist doch nicht alles. „Okay, okay“, sagt Wienen, „dann kommen wir zu Lektion zwei: gesunde Zutaten.“ Kaum gesagt, öffnet der 49-Jährige einen zweiten Kühlschrank, der neben dem riesigen Holzkohle- und dem noch größeren Gasgrill in die Küche integriert ist. Heraus holt er einen vollen Gemüsekorb. „Das schnippeln wir jetzt klein. Aber grobe Stücke reichen“, sagt Wienen, der direkt loslegt. In Windeseile teilt er Broccoli in Röschen, Pilze in Würfel und Karotten in Scheiben. Dann kümmert er sich um Pastinaken und Petersilienwurzeln. „Habe ich erst gar nicht gedacht, aber die sind total lecker. Und extrem gesund.“ Beide Gemüsesorten werden geschält und in Stücke geschnitten. In einer Schale wird das gesamte Grünzeug gemischt. „Jetzt noch ordentlich würzen“, sagt Wienen. Anschließend öffnet der Weltmeister den Deckel seines gigantischen Kugelgrills, um die Gemüseschale auf den Rost zu legen. Und nun? „Deckel zu und warten, bis das Gemüse gar ist. Und währenddessen das Schönste am Grillen genießen.“ Das ist für den Duisburger die Zeit, die man während des Wartens hat. Wienen erklärt, dass die Deutschen Grillen oft falsch verstünden. „Viele denken nur daran, Fleisch auf direkter Hitze, also über der Kohle auf dem Rost zuzubereiten.“ Er hingegen folgt eher der Tradition des amerikanischen BBQ. Diese sieht vor, dass Grillgut lange und durch indirekte Hitze gegart wird. „Der Grill ist nichts anderes als ein Ofen.“ Diese Zubereitung dauert länger, „was ich toll finde. So bleibt Zeit, das Lebensgefühl Grillen zu genießen. Gemeinsam mit Freunden ums Feuer sitzen, etwas trinken und gute Gespräche führen, so muss es sein. Und das ist bestimmt auch gesund. In jedem Fall für die Seele.“

Darum lohnt es sich, auf die Qualität zu achten

So geht die Zeit mit weiteren Fachsimpeleien schnell dahin. Und der Hunger wird bei dem würzigen Geruch des Gemüses immer größer. Zehn Minuten bevor das Gemüse fertig ist, schmeißt Wienen den Gasgrill auf höchster Stufe an. „Ein wenig Fleisch gehört für mich schon dazu“, sagt er. Rein gesundheitlich spreche auch nichts dagegen, hin und wieder Fleisch zu essen. „Es muss aber gute Qualität haben!“ Statt direkt auf dem Rost grillt Wienen das saftige Flanksteak vom Rind auf einer Steinplatte, die er auf dem Rost erhitzt hat. Nach wenigen Minuten ist das Fleisch medium gegrillt. Auf einem großen Teller richtet es der Grillweltmeister mit dem Gemüse an, in dem dank der indirekten Garmethode noch viele Vitamine erhalten sind. „Und jetzt das Beste“, sagt Wienen. „Gemeinsam essen. Direkt von der Platte. Herrlich!“ Am Ende bleibt das Menü für jeden Esser bei unter 700 Kalorien. „Gesund grillen ist eben nicht nur einfach, sondern auch lecker.“

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