Wo drückt der Schuh?

Fußfreundlich oder nicht: Sind UGG-Boots, Ballerinas oder Flip-Flops wirklich so ungesund für die Füße?

Von: Theresa Boenke

Mit schlecht sitzender Kleidung riskiert man seinen Ruf, mit schlecht sitzenden Schuhen dazu noch seine Gesundheit. Jedenfalls wird vielen Schuh-Typen solch Böses unterstellt. Dr. med. Joachim Knöbel von der Ortho-Group in Hamburg hat Antworten.

Es gibt immer wieder Schuhtrends, die wegen ihrer vermeintlichen Fußunfreundlichkeit in der Kritik stehen. UGG-Boots, Ballerinas, Flip-Flops – was sagen Sie dazu, sind diese Schuhe alle schlecht?
Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Zum Beispiel: Ein Ballerina kann eine gute propriozeptive Rückmeldung geben (Anmerkung der Redaktion: Propriozeption bedeutet Eigenempfindung), wenn er dem Fuß genügend Platz bietet und nicht zu klein ist. Weil wenig Sohle vorhanden ist, muss der Fuß eine ganze Menge leisten. Und das ist eigentlich gar nicht schlecht. Dass das schnell mal den Fuß eines „Industriemenschen“ überlasten kann, passiert natürlich.

Und UGG-Boots?
Gucken Sie sich die Leute mit diesen Schuhen an. Sie kippen meist mit der Ferse weg, weil der Fuß so gar keinen Halt hat. Das ist immer wieder ein gern genommenes Beispiel für einen Schuh, der den Fuß schlecht stützt und ihn komplett schwimmen lässt. Wenn der Fuß das nicht mehr ausgleichen kann, treibt es ihn in eine Überlastungssituation hinein. Dann muss der Fuß unter Umständen mehr leisten, als das barfuß der Fall wäre.

Und schwimmt man in Flip-Flops auch?
Die sind eigentlich gar nicht so schlecht. Jeder Schuh, in dem der Fuß eine Menge machen muss, ist erst einmal dicht dran am Barfußlaufen. Das betrifft einen Flip-Flop grundsätzlich auch. Das Krallen des Fußes im Flip-Flop ist zum Beispiel eine aktive Beanspruchung der Muskulatur.

Betrifft das auch Absatzschuhe?
Dadurch dass der hintere Fuß durch den Absatz angehoben wird, hat es die Wadenmuskulatur viel schwerer, den Fuß zu stabilisieren. Das ist das eine. Und das andere: Man bringt viel Last auf den Vorfuß, sodass der Fuß in einen Spreizfuß hineingetrieben werden kann. Trotzdem würde ich auch hier diese Schuhe per se nicht verteufeln. Aber man muss überlegen, wann es anfängt, kritisch zu werden! Wenn jemand alle zwei Wochen abends auf einer Party einen hohen Absatz trägt: ok. Anders sieht es aus, wenn man täglich acht Stunden seine Füße damit malträtiert.

Was sagen Sie dann zum Barfußschuh-Trend? Beleben diese Schuhe, die ein geschütztes Barfußgehen ermöglichen sollen, unsere Füße wieder?
Der Barfußschuhcharakter ist eine ziemlich gute Geschichte. Ich rate den Patienten immer, dass sie erst einmal schauen sollen, wie ihr Fuß den Schuh annimmt. Und wenn man es nicht übertreibt, kommen die meisten mit Barfußschuhen richtig gut zurecht. Manche Patienten laufen aber mit Barfußschuhen auch in Probleme hinein. Der Fuß muss ja quasi von 0 auf 100 aus dem schützenden und stabilisierenden Schuh heraus, kommt plötzlich in eine Situation hinein, in der die Muskulatur und die stabilisierenden Bänder irre viel leisten müssen. Das kann für so einen normalen Alltagsfuß schnell zu viel werden. Also sehe ich den Barfußschuh eher als sinnvolle Ergänzung. Generell gilt: Der gesunde Mix an Schuhwerk macht's!


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