Das 6-Minuten-Tagebuch im Test

Ein Buch, das dein Leben verändert, heißt es auf dem Cover. Unsere Zoi hat getestet, ob das 6-Minuten-Tagebuch dieses Versprechen halten kann.

Von: Zoi Theofilopoulos

Was wolltest du schon immer mal unbedingt machen, und was hat dich bisher davon abgehalten? Was begeistert dich in der Stadt, in der du lebst? Wann hattest du deine heftigste Lachattacke und worüber hast du zuletzt herzhaft gelacht? Warum spielt es eine Rolle, dass es dich gibt? Diese und weitere nicht alltägliche Fragen beantwortet man im 6-Minuten-Tagebuch. Glück ist nämlich kein Zufall, sondern eine Frage der Einstellung und Denkmuster. Das zumindest behauptet Autor Domenik Spenst, dessen Konzept auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Feedback tausender Langzeit-Nutzer basiert.

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Zweimal täglich ins Buch schreiben

Das 6-Minuten-Tagebuch hilft, nicht auf das zu schauen, was fehlt oder nicht passt, sondern sich auf Fortschritte und das Gute zu fokussieren. In jeweils drei Minuten am Morgen und am Abend beantwortet man immer die gleichen Fragen: Wofür bist du dankbar und wie machst du den Tag heute wundervoll? Was hast du heute Tolles erlebt und was könntest du morgen besser machen? Wöchentlich beantwortet man außerdem ein Set an Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen. „Bist du gerade verliebt? Wenn nicht, wann warst du das letzte Mal verliebt? Was bedeutet verliebt sein für dich und wie genau fühlst du dich dabei?“

Die wichtigsten Fragen zum Buch knapp beantwortet

Eine wöchentliche Herausforderung wie „Grüße jeden Tag eine fremde Person“ bringt dich dazu, deine Komfortzone zu verlassen. Es gibt einen monatlichen Stimmungscheck und tägliche Motivation in Form von Zitaten. Das Resultat: Ein zufriedenes und glückliches Leben. Ob das so stimmt? Hier mein Fazit - passenderweise indem ich Fragen beantworte.

Was ist dein erster Eindruck von dem Tagebuch?

Wertiges Hardcover mit Stoffeinband, das man gerne in den Händen hält und bei sich trägt. Ich bin ziemlich überwältigt von der Menge an Text in der Einleitung und beschließe, erstmal direkt zum Tagebuchteil vor zu blättern. Ich mag es, dass einem Fragen gestellt werden. Ich muss nicht darüber nachdenken, was ich schreiben soll. Kein leeres Blatt. Irgendwie entlastend.

Wie hast du das Ausfüllen erlebt?

Ich finde es schön, dass man mit dem Ausfüllen eine Klammer um jeden Tag setzen kann. Ich freue mich jeden Morgen, meine Gefühle zu hinterfragen und bewusst in mich hineinzuhören. Die wechselnden wöchentlichen Fragen finde ich besonders spannend. Ich gebe zu: Ich war neugierig und habe vorgeblättert, um zu sehen welche Fragen noch kommen.

Was hast du über dich selbst gelernt?

Dass ich schon ganz schön glücklich bin und das einfach vergessen habe. Und, dass regelmäßige Selbstreflexion, auch von kleinen Alltagserfahrungen, sinnvoll ist. War es leicht oder schwer am Ball zu bleiben? Es fiel mir schwer eine Routine zu entwickeln und das Buch täglich auszufüllen. Manchmal habe ich es vergessen und erst später am Tag nachgeholt. Dadurch war es für mich wie eine weitere Aufgabe in meinem Leben – wie die Spülmaschine ausräumen - die erledigt werden muss.

Denkst du tagsüber an das Buch und die Inhalte? Wenn ja, woran genau?

Neulich hatte ich jemanden mit einem riesigen Einkauf hinter mir an der Kasse. Ich hatte zwei Rabatt-Gutscheine. Ich hätte mir den einen natürlich für den nächsten Einkauf aufbewahren können. Trotzdem habe ich der Person hinter mir den Coupon angeboten. Sie hat sich riesig gefreut und ich mich dann irgendwie auch. Also ja, die Fragen und Botschaften des Buchs finden sich in meinem Alltag wieder. Und das ist wahrscheinlich auch die Stärke des Tagebuchs. Dass man seine Gedanken und Handlungen öfter reflektiert. Ich kann mir vorstellen, dass sich diese positiven Veränderungen irgendwann automatisch in den Alltag integrieren und das Leben so verschönern.

Was war die spannendste wöchentliche Frage für dich und wie lautet deine Antwort darauf?

„Warum hast du Angst vor etwas, das du willst?“ - Weil ich scheitern könnte. Weil es möglicherweise bedeutet, antrainierte Muster hinter sich zu lassen. Obwohl ich schon mehrfach die Erfahrung gemacht habe, dass es sich lohnt, Ängste zu überwinden, habe ich sie immer wieder.

Ist das 6-Minuten-Tagebuch von Dominik Spenst was für Tagesbuchmuffel? Macht es dich tatsächlich glücklicher?

Wer es liebt, ausführliche Texte in ein klassisches Tagebuch zu schreiben, sollte das weiterhin tun. Wer sich ein kleines Schreibritual wünscht, mit dem man langfristig die eigene Weiterentwicklung beobachten und steuern kann – der sollte das 6-Minuten-Tagebuch ausprobieren. Letztendlich glaube ich nicht, dass mich das 6-Minuten-Tagebuch zu einem glücklicheren Menschen macht. Viel eher würde ich sagen, dass es mir all das Glück bewusst macht, das ich bereits habe.

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