Blasenentzündung – was hilft wirklich?

Wir erklären, wie eine Blasenentzündung entsteht, was hilft – und warum Antibiotika nicht immer die Lösung sind

Von: Hanna Paßlick

Beim Wasserlassen ziept und brennt es plötzlich, der Urin ist trüb eingefärbt und der Harndrang so groß, dass wir alle fünf Minuten zur Toilette rennen müssen. Schuld daran ist meist eine Blasenentzündung (Zystitis) – eine Erkrankung, die vor allem, aber nicht ausschließlich Frauen trifft. Bei ihnen haben die Bakterien dank der vergleichsweise kurzen Harnröhre einen kürzeren Weg zurückzulegen. Gefürchtet ist die Blasenentzündung gleich wegen zweierlei Eigenschaften. Zum einen kann sie uns im Alltag stark einschränken – wer erkrankt, kann sich auf kaum etwas anderes konzentrieren als auf seinen schmerzenden Unterleib und den nächsten Gang zum Klo. Zum anderen bleibt es oft nicht nur bei einer Infektion. Wir erklären, welche Ursachen eine Blasenentzündung haben kann, wie Ärzte akute Infektionen behandeln, ob es moderne Alternativen gibt und wie man sich erfolgreich gegen die nächste Entzündung wappnen kann.

Ursachen für eine Blasenentzündung

E.coli Bakterien:
In den allermeisten Fällen lösen sogenannte Escherichia coli (E.coli) Bakterien eine Blasenentzündung aus. Das sind Bakterien, die eigentlich in unserer Darmflora zu finden sind. Aber Darmausgang und Harnröhrenöffnung liegen bei Frauen nur wenige Zentimeter auseinander. Da kann es schnell passieren, dass durch mangelnde Hygiene beim Toilettengang Darm-Bakterien in die Harnröhre gelangen.
Geschlechtsverkehr und Immunabwehr:
Neben der Reinlichkeit können aber auch Faktoren wie Sex oder Kälte eine Rolle spielen. Denn auch durch Geschlechtsverkehr können E.coli Bakterien oder andere Keime in die Harnröhre gelangen. Die Kälte indes verteilt zwar keine Bakterien, kann aber für eine schlechtere Durchblutung sorgen und unser Immunsystem schwächen. Das heißt, wir werden insgesamt anfälliger gegenüber Infektionen, und eine schlecht durchblutete Blasenwand bietet ein ideales Zuhause für Bakterien, weil sie hier auf wenig Gegenwehr stoßen.
Verengungen und weitere Ursachen:
Gelegentlich kann es auch passieren, dass eine Blasenentzündung dadurch verursacht wird, dass ein Rest Urin in der Blase zurückbleibt, weil zum Beispiel die Harnröhre zu eng ist. Dieser Urin bildet einen idealen Nährboden für Bakterien. Weitere mögliche Ursachen können aber auch eine Schwangerschaft, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder die Einnahme verschiedener Medikamenten sein, deren Nebenwirkungen eine Blasenentzündung befördern.

Tipps und Hausmittel zur Linderung

Handelt es sich um eine leichte, unkomplizierte Blasenentzündung, fallen die Krankheitssymptome eher moderat aus und lassen sich meist gut mit ein paar einfachen Verhaltensweisen und pflanzlichen Hilfsmitteln bekämpfen:

  • Wenn möglich zwei bis drei Liter pro Tag trinken (am besten Wasser und Kräutertee) und die Blase regelmäßig entleeren, so dass die Keime herausgespült werden.
  • Wärmflaschen und warme Sitzbäder können die Symptome lindern, weil sie die Blase entspannen und die Schmerzen dadurch etwas zurückgehen.
  • Schmerzmittel wie Ibuprofen oder entkrampfende Medikamente wie Buscopan können bei einer leichten Blasenentzündung ebenfalls Linderung verschaffen. Das sollte allerdings mit dem Arzt besprochen werden.
  • Auch natürliche Helfer wie Cranberry-Saft, Tee oder Kapseln mit Auszügen aus Bärentraubenblättern, Birkenblättern und Goldrutenkraut sollen bei einer leichten Infektion helfen können – wissenschaftlich erwiesen ist das aber nicht.

Wenn die Schmerzen zu groß sind

Handelt es sich jedoch um eine vom Arzt diagnostizierte bakterielle Entzündung, wird in der Regel ein Antibiotikum eingesetzt. Das soll unter anderem verhindern, dass die Infektion weiter nach oben zieht und eine Nierenbeckenentzündung auslöst. Eine Laboruntersuchung des Urins kann aufzeigen, um welche Bakterien es sich handelt, damit gezielt behandelt werden kann. Das ist vor allem bei wiederkehrenden Blasenentzündungen ratsam. Nach einem Tag Antibiotika-Therapie sollte bereits eine spürbare Besserung eingetreten sein.

Wiederkehrende Entzündungen

Viele Betroffene werden gleich mehrmals im Jahr von einer Blasenentzündung heimgesucht. Die meisten lassen sich immer wieder neue Antibiotika verschreiben – in der Hoffnung, dass es dieses Mal das richtige ist. Oftmals hilft das aber nur kurzfristig – entweder, weil sich durch den vermehrten Einsatz mittlerweile Resistenzen gebildet haben, und Keime in der Blase zurückbleiben, oder weil Bakterien nicht die wahre Ursache sind.
Manchmal kann es versuchsweise sinnvoll sein, sich einer sogenannten Immunstimulans zu unterziehen. Dafür werden Teile des E.coli-Bakteriums in Form einer Spritze verabreicht oder müssen oral eingenommen werden. Beide Formen haben Studien zufolge Erfolge erzielt und sollen zumindest die Abstände zwischen den Infektionen massiv vergrößern können. Einen vollständigen Schutz kann die Impfung allerdings nicht garantieren. Und da sie nicht von den Kassen übernommen wird, müssen Patienten sie aus eigener Tasche bezahlen. Alternativ dazu können Urologen auch ein niedrig dosiertes Antibiotikum verschreiben, das dauerhaft über mehrere Monate eingenommen wird. Das sollte allerdings nur in Erwägung gezogen werden, wenn die Zahl der Infektionen das normale Maß (also mehr als drei pro Jahr) deutlich überschreitet.

Wenn nicht die Bakterien schuld sind

Manchmal können die Schmerzen in der Blase auch durch etwas anderes als Bakterien verursacht werden. Pilze etwa können dieselben Symptome auslösen, so dass Ärzte auf pilztötende Mittel zurückgreifen. Wer irgendwann dauerhaft unter Harndrang und Schmerzen leidet, ohne dass noch Bakterien oder Pilze nachzuweisen sind, bei dem liegt möglicherweise eine chronische Blasenentzündung vor, die auch Reizblase genannt wird. Wird sie erkannt, können die Symptome zum Beispiel mit Schmerzmitteln oder Antidepressiva behandelt werden. Oft werden auch Medikamente in die Blase eingefüllt. Hilft das alles nicht, kann die Harnblase in letzter Konsequenz auch operativ entfernt werden.

Und so kann man sich vorab schützen

  • Intimhygiene (nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten wischen)
  • ausreichend trinken
  • warm anziehen (heißt auch, nach dem Baden schnell in trockene Sachen schlüpfen)
  • nach dem Sex auf die Toilette gehen
  • Mannose einnehmen – das ist ein pflanzlicher Wirkstoff, der zurzeit großes Aufsehen erregt, weil er Studien zufolge ähnlich wie ein Antibiotikum wirkt und Bakterien daran hindern soll, sich an die Blasenwand zu heften
  • Urin leicht alkalisch halten
  • Verhütungsmittel überdenken – Diaphragmen und Spiralen etwa sind bei häufigen Blasenentzündungen eher ungeeignet; absehen sollte man auch von spermiziden, also spermienabtötenden Kondomen, die mit einer speziellen Beschichtung versehen sind.

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